Pariser Börse 1902 / 4
Angesichts dieser Schwankungen, welchen die Papiere unterworfen sind, sowie der Gewinne, welche Spekulanten und Kapitalisten in der Form von Kursdifferenzen daraus zu ziehen suchen. Die Sitten- haben Sittenprediger unseren großen Finanzmarkt als ein Spiel bezeichnet. „Wir stehen einer Eoulette gegenüber”, um ihre Worte zu gebrauchen: die Vermittler bezeichnen sie als die Croupiers und es gibt kaum eine Verwünschung, mit der sie die Börse nicht schon bedacht hätten. Meidet die Börse, rufen sie! Ihr geht dort euerem Ruin entgegen. Das Feuer brennt, warnt man die Kinder, berührt es ja nicht, aber erklärt man ihnen später nicht auch, daß es uns erwärmt, und uns, nützlich angewandt, den Dampf liefert, diese Kraft, die das 19. Jahrhundert umgestaltet und reich gemacht hat?
Diese vermeintlichen Sittenprediger sagen uns in ihrem Absolutis wohl, wo die Gefahren liegen; indes hüten sie sich ängstlich Gefahren Mittel und Wege zu bezeichnen, mit deren Hilfe man der Börse erfolgreich bedienen kann, um an den Gewinnen, die sich aus den Kursbewegungen ziehen lassen, teilzunehmen.
Trotz solcher lauten Erklärungen haben die Börsengeschäfte nichts destoweniger von Tag zu Tag immer beträchtlichere Ausdehnung gewonnen. Wenn man die Erschütterungen betrachtet, welche in größeren oder kleineren Intervallen entstehen, die täglichen Schwankungen und deren Ursachen, so muß man anerkennen, daß es an der Börse, im Gegensatz zu den Spielhäusern, vor allem Logik, eine Logik gibt, welche manchmal unerbittlich streng, sich aber doch in den meisten Fällen, früher oder später, als richtig erweist.
Diejenigen, welche, in Mißachtung der Logik und ohne vorbereitendes Studium, es mit der Börse versucht haben, gerade als ob sie sich an einen Spieltisch setzten, bilden den größten Teil der Opfer bei finanziellen Katastrophen; sie wären vielleicht für Augenblicke am Spieltisch glücklicher gewesen. Da ihnen aber die praktischen Kenntnisse und die genügende Vorbereitung fehlen, um sich auf dem Gebiete der Börse zu verteidigen, werden sie, um Opfer der es mit einem Wort zu sagen, die Opfer ihrer Unerfahrenheit. Was würde man von demjenigen denken, der irgend einen Beruf, diesen oder jenen Handels- oder Industriezweig betreiben wollte, ohne sich vorher darin ausgebildet zu haben? Nun, auch zum Verkehr an der Börse bedarf man eines vorbereitenden Studiums, welches, wenn auch weniger lang, so doch um so unerläßlicher ist, als man sich nie genug gegen den Schein der Einfachheit solcher Dinge wappnen kann.
Unser Indem wir dieses Lehrbuch den Kapitalisten und Spekulanten, Zweck, auch den weniger routinierten, widmen, hoffen wir, daß sie nach einem gründlichen Studium desselben hinreichend mit den Börsenoperationen vertraut geworden sind, um sich mit ihren Kapitalien erfolgreich an der Pariser Börse zu beteiligen. Das Studium dieses Buches wird ihnen die Erfahrung ersetzen, welche man sonst nur durch die Praxis gewinnt; und vertraut mit den Winken, welche es geben soll, werden sie die Klippen zu meiden wissen, an denen sonst nur zu oft die Anfänger scheitern.