Pariser Börse 1902 / Effekten (valeurs mobilières)
In der Einleitung haben wir die Entwickelung der Effekten (valeurs mobilières) dargelegt, welche an der Börse (la bourse) gehandelt werden.
Wie man sehen wird, sind die Wertpapiere verschiedener Natur; wir gehen sie rasch durch, da wir uns bei den Grundbegriffen so kurz wie möglich fassen wollen, um uns desto gründlicher über die Geschäfte selbst auszulassen, die in diesen Werten gemacht werden.
I. Staatspapiere (Fonds Publics).
Wenn eine Eegierung genötigt ist, Ausgaben zu machen, welche ihre laufenden Einnahmen übersteigen, entleiht sie die Summen, deren sie bedarf, von Privatleuten, die hierdurch Gläubiger des Staates werden.. Sie zahlt ihnen dafür jährlich bis zu dem Zeitpunkt, an welchem sie durch Rückzahlung ihre Schulden deckt, die Zinsen (les intérêts oder, wie man in diesem Falle sagt, les arrérages). Die Namen der Darleiher und die Summen, für welche die Regierung sich jedem einzelnen gegenüber als Schuldnerin bekennt, werden in Register eingetragen, und die Darleiher erhalten als Anerkennung ihrer Schuldforderungen Bescheinigungen über die erfolgte Eintragung.
Diese Eintragungsurkunden (certificats d’inscription), auch Rententitel (Titres de Beute) genannt, sind für die französischen Renten:
1. auf den Inhaber lautend (au porteur),
2. auf einen bestimmten Namen lautend (nominatifs), gemischter Art (mixtes).
1. Die Titel auf den Inhaber (Renten auf Inhaber, Rententitel) werden ohne weitere Formalitäten übertragen und die Tatsache des Besitzes, sowie das Vorhandensein eines Schuldscheines darüber (bordereau d’achat) macht zum Eigentümer derselben; daher der Ausdruck „auf den Inhaber” (au porteur), das heißt, das Stück gehört demjenigen, welcher es inne hat und vorweist (qui en est porteur).
Der Eigentümer einer Inhaberrente erhebt seine Zinsen mittelst der dem Titel beigegebenen Zinsscheine oder Coupons. (Coupons). Es sind dies kleine rechteckige Papiere, welche er nach Maßgabe der auf jedem Coupon angegebenen Verfalltage abschneidet oder, wie der Fachausdruck lautet, abtrennt (détache). Die Verfalltage werden mit dem Börsenausdruck Zinstermine (Jouissance) bezeichnet. Das französische Schatzamt löst die verfallenen Coupons auf einfaches Vorzeigen hin ein und erneuert die Wertpapiere, wenn die Coupons erschöpft sind.
2. Die Titel auf Namen (Titres nominatifs) (Renten auf Rententitel Namen , Rentes nominatives) , mit anderen Worten auf den Namen auf den des Besitzers eingetragen, können ebenfalls den Eigentümer wechseln oder vermittelst der Formalität einer Übertragungsurkunde Über- oder „Cession” (Transfert) an Dritte abgetreten (transférés) werden, und zwar auf folgende Art;
Der Besitzer des Stücks (titulaire) hinterlegt gegen Empfangsbescheinigung (récépissé) sein Namenspapier bei der Übertragungsbehörde des Schatzamtes (bureau des transferts du Trésor) mit dem Antrage, das Papier auf den Namen dieser oder jener Person (seinen Rechtsnachfolger, cessionaire) zu übertragen. Diese Erklärung wird nach einer hierzu besonders aufgestellten Formel abgegeben, muß von dem Besitzer (oder seinem in gehöriger Form legitimierten Bevollmächtigten) unterzeichnet werden, wobei die Unterschrift von einem vereidigten Makler (Agent de change) oder einem Notar zu beglaubigen ist. Nach Verlauf von zwei Tagen wird ein Auszug der Umschreibung auf den Namen des Rechtsnachfolgers dem bisherigen Besitzer der Rente mittelst Entlastungsurkunde (décharge) gegen Rückerstattung der zuvor ausgestellten Empfangsbescheinigung ausgehändigt. Um ein Namenswertpapier verkaufen zu können, muß der Inhaber seine Identität nachweisen.