Pariser Börse 1902 / 2

March 29, 2002 Financial News

Die Börse

Die Börse (La Bourse) ist der Markt dieser Renten, Staatspapiere, Aktien und Obligationen, welche man unter der allgemeinen Effekten. Bezeichnung: Effekten (Valeurs Mobilières) zusammenfaßt.

Diese Papiere haben das Eigenartige und sehr Interessante, dass sie häufig den Besitzer wechseln und infolgedessen Veranlassung zu einem Umsatz von Werten geben, der auf den allgemeinen Kredit außerordentlich günstig einwirkt. Da sie leicht wieder zu veräußern sind, wendet sich das Kapital ihnen mit Vorliebe zu; ihre Entwickelung ist daher eine weit bedeutendere, als die anderer Formen des beweglichen Vermögens.

Ein besonderes Interesse bietet die Bestimmung dieser Werte, welche festzustellen sich hauptsächlich die National-Ökonomen zur Aufgabe gemacht haben.

Man kann sich im allgemeinen keine genaue Vorstellung von der ununterbrochenen Zunahme machen, welche die Zahl und Mannigfaltigkeit der an der Pariser Börse gehandelten Papiere erfährt.

Um hiervon ein Bild zu gewinnen, muß man die offiziellen Kurszettel der verschiedenen Epochen seit dem Beginn des Jahrhunderts miteinander vergleichen.Vor einiger Zeit wurde das sehr merkwürdige Faksimile eines Kursblattes reproduziert, welches aus dem Jahre 1819 stammt.

Wenn wir etwas weiter zurückgehen, finden wir in einem alten vergessenen Buche, „Les Etrennes de 1789, das Verzeichnis aller damals an der Pariser Börse gehandelten Effekten. Es ist kurz und beginnt mit den indischen Aktien, dann folgen die Schuldscheine der Oktoberanleihe von 500 Livres, die königlichen Lotterien von 1780 und 1783, die Anleihen von 1782, 1784, 1785 und 1786, endlich die Rentenversicherungslose, die Diskontokassenscheine und die Pariser Wasserwerke. Etwas anderes ist darin nicht enthalten.

 Fünfundzwanzig Jahre später weist das Kursblatt noch weniger Papiere auf. Die handelsfahigen Titel setzen sich nur zusammen aus der 5% konsolidierten und der neuen 5% Rente, den Aktien der Bank von Frankreich, den Schatzobligationen und den „Brückenaktien”. Auch sind in diesem Kursblatt die Beträge des Gold- und Silberumsatzes verzeichnet.

 Erst vom Jahre 1852 ab zeigt sich die industrielle Bewegung; von dieser Zeit an schössen die neuen Wertpapiere wie Pilze aus der Erde hervor. 1852 sind schon 126 Werte notiert. 1869 zählte man deren bereits 380. Bis zum Schluß des Jahres 1882 hat sich diese Zahl auf 783 erhöht, und heute sind wir, allein an der Pariser Börse, bei nahezu 800 angelangt.

Dieselben weisen die denkbar größte Mannigfaltigkeit auf: Staatspapiere, Stadt- und Departementsanleihen, Kredit- und Versicherungsgesellschaften, Eisenbahnen, Kanäle, Minen, Gas, Metallindustrie, Elektrizitätsunternehmungen etc. etc.

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