Pariser Börse 1902 / 3
Diesen in Paris offiziell börsenfähigen Werten sind noch die- jenigen beizufügen, welche an den Börsen der Provinz notiert werden, und man sollte eigentlich auch jene hinzuzählen, welche im freien Verkehr (in der Pariser Kulisse), d. h. außerhalb der Schranken der vereidigten Makler, gehandelt werden. Es gibt keine vollständige Aufstellung dafür, aber es ist sicher, daß sie die Zahl 250 überschreiten, und man somit mit einem Minimum von 1050 gegenwärtig börsenfähigen Wertpapieren rechnen kann.
Mit diesem Material beschäftigen sich also die täglichen Ungeheure Effekten transaktionen. Man wird nach diesen Angaben nicht mehr überrascht sein von der ungeheuren Geschäftsbewegung (Mouvement immense d’affaires) zu welcher sie Anlaß geben. Man versuche sich einmal eine Vorstellung davon zu machen, wenn man heute alle diese Titel zu einem einzigen Streifen aneinander kleben wollte. Das würde ein Band ergeben, lang genug, um damit die Erde zu umspannen.
Aber gerade daraus, daß sie eine aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzte Vereinigung enormer Interessen bilden, ist die außerordentliche Bedeutung leicht zu erkennen, welche die verschiedenen Veränderungen und Bewegungen, die auf dem ungeheuren Markt fortgesetzt stattfinden, für das Nationalvermögen in sich tragen. Ein guter Geschäftsgang an der Börse, an der Güter diese Papiere gehandelt werden, spielt infolgedessen in der volkswirtschaftlichen Entwickelang einer jeden Nation eine ungemein bedeutende Rolle.
Das ist eine Wahrheit, die heute niemand mehr wegleugnen kann, und sie tritt um so schärfer hervor, als der Geschäftsgang der Börse zur Zeit kein guter ist; seine Rückwirkung macht sich auf allen Gebieten des Handels und der Industrie sehr unangenehm fühlbar. Es besteht sogar eine so intime wechselseitige Beziehung zwischen dem Finanzmarkt, welcher einen beträchtlichen Teil des öffentlichen Vermögens in sich vereinigt, einerseits, und dem Handel und der Industrie, als den Erzeugern dieses gleichen Vermögens andererseits, daß man ebenso auch den umgekehrten Fall eintreten sieht, das heißt, daß die Börse von dem Rückschlag, den eine Handels- oder industrielle Krise ausübt, ungünstig beeinflußt wird.
Die Börse ist in dem Maße das Barometer der Volkswohlfahrt Barometer und der Politik, daß jedes das Land angehende Ereignis der Volks bis zu einem gewissen Grade sich in den Kursnotierungen ausdrückt, häufig schon, wenn das spätere Eintreffen des Ereignisses nur vorausempfunden wird. Friedensversicherungen oder Kriegsdrohungen, die Bildung eines Vertrauen erweckenden Ministeriums, oder dessen Fall, dieses oder jenes Bündnis, der Tod eines Staatsoberhauptes, oder jedes andere glückliche oder unglückliche Ereignis, die Lebhaftigkeit oder das Stocken des Handels, eine gute oder schlechte Ernte, das Anwachsen oder die Abnahme des Exports, der Überfluß oder die Knappheit des Silbers, die Emission einer großen Anleihe, ihr Erfolg, ein gutes oder schlechtes Budget oder Ursachen für das Steigen oder Fallen der Kurse.